Geschichte

Der Göttinger Literaturherbst wurde als Veranstaltungsreihe 1992 von Christoph Reisner † gegründet. Alles begann mit acht Lesungen von Max Goldt, Eckard Henscheid, Franz Dobler, Bodo Kirchhoff, Margit Schreiner, Joseph von Westfalen, Doris Dörrie und Gisbert Haefs, die zwischen dem 21. Oktober 1992 und dem 13. Januar 1993 im legendären Ballhaus in Göttingen-Grone stattfanden.

Nach dem großen Erfolg des ersten Jahres zog das Festival in das Zentrale Hauptgebäude der Göttinger Universität um, wo, neben dem immer wieder gern gesehenen Max Goldt, vor allem teils exklusive Deutschlandauftritte anglo-amerikanischer Starautoren wie Douglas Adams, T.C. Boyle, Douglas Coupland, Richard Ford, Stephen Fry und Michael Palin den frühen Ruhm des Festivals begründeten.

1997 stellte Christoph Reisner die Veranstaltung auf ein 10-tägiges Festivalformat um und legte den Beginn zukünftig immer auf den Freitag der Frankfurter Buchmesse. Damit hatte der Göttinger Literaturherbst seinen festen Platz im Jahreskalender der deutschsprachigen Lesefeste gefunden. Spielorte waren nun die historische Halle des Alten Rathauses Göttingen und das Deutsche Theater. Das Festival produzierte Live CDs und DVDs, fremdsprachige Lesungen wurden durch ins Bühnenbild projizierte Untertitel simultan übersetzt. Der Strom bekannter AutorInnen riss mit Bret Easton Ellis, Michel Houllebecq, Donna Leon, Cees Noteboom und Marcel Reich-Ranicki nicht ab und gipfelte in der Gala-Veranstaltung zu Günter Grass´ 75. Geburtstag im Jahr 2002. Bundespräsident, Bundeskanzler und Ministerpräsident des Landes Niedersachsen saßen gemeinsam in der ersten Reihe.

2003 beendete der langjährige Hauptsponsor, die Gothaer Versicherung, umzugsbedingt die Beteiligung am Göttinger Literaturherbst. Mit der Göttinger Sartorius AG konnte ab 2004 ein engagierter, neuer Hauptsponsor gefunden werden. 2004 gab es mit Frank Schätzings Bestseller Der Schwarm auch die erste Großlesung in der Göttinger Lokhalle.

Nachdem politische und geschichtliche Sachbücher beim Göttinger Literaturherbst eine immer größere Rolle spielten, fügte Christoph Reisner dem Festival 2003, in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, eine Lesereihe mit Wissenschaftsbüchern hinzu, die bis einschließlich 2006 erfolgreich im School-Lab des DLR durchgeführt wurde. Seit 2007 veranstaltet der Göttinger Literaturherbst, zusammen mit drei Göttinger Max-Planck-Instituten, die Vortragsreihe "Wissenschaft beim Göttinger Literaturherbst", die jedes Jahr international führende WissenschaftlerInnen und WissenschaftspublizistInnen in der Göttinger Paulinerkirche versammelt und in dieser Form einzigartig innerhalb eines Literaturfestvals ist.

Auch die schwere Krankheit Christoph Reisners minderte nicht seinen Schwung, alljährlich im Herbst ein anspruchsvolles Lesefest durchzuführen. So gelang es Christoph Reisner 2011 mit Eugen Ruge zum wiederholten Male, den aktuellen Träger des Deutschen Buchpreises nach Göttingen zu holen. Seine hochkarätigen Gäste des Jahres 2013, Christopher Clark, Daniel Kehlmann und Uwe Timm konnte Christoph Reisner nicht mehr live erleben, da er bereits im Krankenhaus lag.

Im März 2014 verstarb Christoph Reisner. Seinem Wunsch getreu, das Festival nach seinem Tode nicht aufzugeben, haben die Geschäftsführung der Göttinger Literaturherbst GmbH und der Beirat beschlossen, den Göttinger Literaturherbst fortzuführen. Alle wichtigen Partner blieben an Bord, viele neue Partner, wie die Georg-August-Universität und das Literarische Zentrum konnten hinzugewonnen werden.

2014 wurde somit das Jahr zwischen Fortführung und Neubeginn: Neue Spielorte in Göttingen, aber erstmals auch im Göttinger Umland (Duderstadt, Teistungen und Bovenden) kamen hinzu; Gut 120 KünstlerInnen nahmen an den insgesamt 50 Veranstaltungen teil. Kurzum: Der 23. Göttinger Literaturherbst war das bis dahin umfangreichste Festival in der ereignisreichen Geschichte des Göttinger Literaturherbstes.

 

Zu seiner 24. Auflage 2015 ist der Literaturherbst weiter gewachsen - über 11.000 BesucherInnen sahen sich die verschiedenen Veranstaltungen an. Allein im Umland fanden in diesem Jahr Veranstaltungen an zehn verschiedenen Spielorten (darunter erstmals in Einbeck, Hann. Münden, Ebergötzen, Rosdorf und Gleichen) statt. Insgesamt kam der 24. Literaturherbst auf 30 Spielorte. Weitere Partner konnten gewonnen, bereits bestehende Kooperationen vertieft werden. In Sachen Vielfalt konnte der 24. Literaturherbst den 23. noch überbieten. 

 

Ein hochkarätig besetztes Jubiläumsprogramm boten die Veranstalter dem Göttinger Publikum zur 25. Auflage des Festivals. Bereits im Frühjahr 2016 wurde das Jubiläumsjahr mit einem achtteiligen Prologwochenende eingeläutet. Im Oktober startete dann der 25. Literaturherbst mit 66 Veranstaltungen in ganz Niedersachsen. Vor allem das Programm im Umland wächst dabei immer weiter und neue Spielorte werden erschlossen. Insgesamt kamen 2016 gut 15 000 Besucher zu den Veranstaltungen - wiederum ein Rekord.